Strange Fruit
Kürzlich fiel mir ein Büchlein über John Coltrane in die Hände (”John Coltrane - Jazz, racsism and resistance: extended version” von Martin Smith). Darin wird ein Song erwähnt, den Billi Holiday einst sang und damit unsterblich machte: “Strange Fruit”. Er widmet sich einem Phänomen, das sich im tiefen Süden der USA noch lange, lange nach Abschaffung der Sklaverei hielt: Der Verfolgung und Ermordung von Schwarzen. Oftmals wurden diese erhängt und dann an den Bäumen gelassen, unter denen sich später ganze Menschentrauben sammelten und die Leichen begafften. Ein Foto, das diesen Moment festhielt, soll den jüdischen Lehrer Abel Meeropol besonders inspiriert haben: Es wurde am 7. August 1930 aufgenommen und zeigt eine belustigte weiße Menschenmenge, die sich unter einem Baum versammelt hat. Über ihnen baumeln die Leichen zweier schwarzer Männer. Das Foto, von Lawrence Beitler aufgenommen, schockierte Meeropol derart, dass er einen Anti-Lynch Song verfasste:
Strange Fruit
Southern trees bear a strange fruit,
Blood on the leaves and blood on the root,
Black body swinging in the Southern breeze,
Strange fruit hanging from the poplar trees.
Pastoral scene of the gallant South,
The bulging eyes and the twisted mouth,
Scent of magnolia sweet and fresh,
And the sudden smell of burning flesh!
Here is the fruit for the crows to pluck,
For the rain to gather, for the wind to suck,
For the sun to rot, for a tree to drop,
Here is a strange and bitter crop.
Das Lied (Meeropol war sowohl für den Text als auch die Melodie verantwortlich) wurde 1936 in einer Gewerkschaftszeitung, “The New York Teacher, veröffentlicht und später von Meeropol, seiner Frau und Laura Duncan im Madison Square Garten aufgeführt. Später von Billie Holiday aufgenommen, wurde es ihr meistverkauftes Lied und inspirierte später noch eine Oper, zwei Novellen und ein Thaterspiel.
Meeropol machte indes noch anderweitig von sich reden: Nach der Exekutierung von Julius und Ethel Rosenberg, einem amerikanischen Ehepaar, das der Spionage für die Sowjetunion angeklagt wurde, adoptierte er deren zwei Söhne, die später auch seinen Nachnamen annahmen. Ein sehr interessantes Kapitel der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA, die damals auch von Juden sehr unterstützt wurde.