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Archiv für Oktober 2009

Strange Fruit

Freitag, 30. Oktober 2009

Kürzlich fiel mir ein Büchlein über John Coltrane in die Hände (”John Coltrane - Jazz, racsism and resistance: extended version” von Martin Smith). Darin wird ein Song erwähnt, den Billi Holiday einst sang und damit unsterblich machte: “Strange Fruit”. Er widmet sich einem Phänomen, das sich im tiefen Süden der USA noch lange, lange nach Abschaffung der Sklaverei hielt: Der Verfolgung und Ermordung von Schwarzen. Oftmals wurden diese erhängt und dann an den Bäumen gelassen, unter denen sich später ganze Menschentrauben sammelten und die Leichen begafften. Ein Foto, das diesen Moment festhielt, soll den jüdischen Lehrer Abel Meeropol besonders inspiriert haben: Es wurde am 7. August 1930 aufgenommen und zeigt eine belustigte weiße Menschenmenge, die sich unter einem Baum versammelt hat. Über ihnen baumeln die Leichen zweier schwarzer Männer. Das Foto, von Lawrence Beitler aufgenommen, schockierte Meeropol derart, dass er einen Anti-Lynch Song verfasste:

Strange Fruit

Southern trees bear a strange fruit,
Blood on the leaves and blood on the root,
Black body swinging in the Southern breeze,
Strange fruit hanging from the poplar trees.

Pastoral scene of the gallant South,
The bulging eyes and the twisted mouth,
Scent of magnolia sweet and fresh,
And the sudden smell of burning flesh!

Here is the fruit for the crows to pluck,
For the rain to gather, for the wind to suck,
For the sun to rot, for a tree to drop,
Here is a strange and bitter crop.

Das Lied (Meeropol war sowohl für den Text als auch die Melodie verantwortlich) wurde 1936 in einer Gewerkschaftszeitung, “The New York Teacher, veröffentlicht und später von Meeropol, seiner Frau und Laura Duncan im Madison Square Garten aufgeführt. Später von Billie Holiday aufgenommen, wurde es ihr meistverkauftes Lied und inspirierte später noch eine Oper, zwei Novellen und ein Thaterspiel.

Meeropol machte indes noch anderweitig von sich reden: Nach der Exekutierung von Julius und Ethel Rosenberg, einem amerikanischen Ehepaar, das der Spionage für die Sowjetunion angeklagt wurde, adoptierte er deren zwei Söhne, die später auch seinen Nachnamen annahmen. Ein sehr interessantes Kapitel der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA, die damals auch von Juden sehr unterstützt wurde.

Die Engländer sind wieder allen voraus!

Dienstag, 20. Oktober 2009

Sie mögen vielleicht am tiefsten von allen Europäern in der Rezession stecken (und das, obwohl sie sich nie als Eropäer bezeichnen!) und immer noch zwei Wasserhähne statt einem am Waschbecken befestigt haben, aber in einem sind sie Spitzenreiter: Wenn es um Aljiah geht, die Auswanderung nach Israel. Die Zahlen vom Anfang dieses Jahres sprechen für sich: Zwischen Januar und Juni zogen 265 englische Juden nach Israel, eine Steigerung von 24% im Vergleich zum letzten Jahr. Vergleicht man das mit dem Anstieg von 16% der Auswanderer aus Nordamerika und dem läppischen 1% von denen aus der ehemaligen Sowjetunion, wird schnell klar: Die Engländer sind allen voraus! Insgesamt wird erwartet, das bis zum Jahr 2101 300 jüdische Briten nach Israel kommen, und insgesamt sollen es 800 werden.
Die meisten kommen, so Rafi Nassi, Direktor der Aljiahabteilung der Jewish Agency, weil sie ihre Kinder in einem jüdischen Staat aufziehen möchten. Das größte Hindernis ist weiterhin der finanzielle Aspekt, sowohl was die Finanzierung des Umzugs als auch die Jobsuche im Land betrifft.
Dem kommt Israel entgegen: Neueinwanderer, sogenannte Olim, müssen 10 (!) Jahre lang keine Steuern auf Einkommen bezahlen, das sie im Ausland verdienen. Das hilft natürlich denjenigen enorm, die weiterhin in England arbeiten möchten oder dort noch Häuser besitzen.
Neben der Jewish Agency, die auch in Deutschland aktiv ist, hilft in England und den USA auch die Organisation Nefesh B’ Nefesh Auswanderungswilligen, die Bürokratie und die Ainzelheiten des neuen Lebens zu organisieren.

Free Gilad! Fuer wieviel?

Montag, 05. Oktober 2009

Ganz Israel spricht seit dem vergangenen Freitag ueber das erste Video des entfuehrten Soldaten Gilad Shalit (Gilad ben Aviva) seit vier Jahren. Mager sieht er aus, aber ueber alles andere ist man sich uneinig- geht es ihm gut, wird er geschlagen, was fuer Botschaften sendet das Video? Hier kann man sich es mit englischen Untertiteln ansehen und sich sein eigenes Bild machen:

www.haaretz.com/hasen/spages/1118449.html

Eines jedoch ist nun sicher: Er lebt noch. Das kann sich jedoch jederzeit aendern. Hamas fordert nun einen exorbitanten Preis fuer den Israeli: Insgesamt 100 (!) Terroristen, die derzeit in israelischen Gefaengnissen sitzen, darunter ueber 400 der gefaehrlichsten Menschen, die unter anderem den Terroranschlag auf die Sbarropizza in Jerusalem und ein Hotel in Naharia an Pessach zu verantworten haben. Und das ist noch nicht genug: Der Fuehrer der Hamas hat bereits angekunedigt, die Entfuehrung weiterer Soldaten anzustreben, um noch mehr fuer Hamas herausschlagen zu koennen. Zudem stehen naechstes Jahr Wahlen an, und 1000 freie Terroristen sind nahezu ein Garant fuer einen Wahlsieg der Hamas.

Doch leider scheint die nationale Meinung so verblendet, dass vielen Israelis das alles egal ist, Hauptsache, “ihr” Gilad kommt heil zurueck. Schliesslich hat fast jede Familie ein Kind in der Armee und kann sich mit seinen Eltern identifizieren. Doch sind sie auch bereit, mit dem Leben ihres eigenen Kindes zu bezahlen? Stimmt Netanjahu dem Deal zu, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der naechste Gilad entfuehrt wird….

Asaf Wohl, Journalist fuer ynet, hat dazu einen sehr guten Artikel geschrieben, in dem er vorschlaegt, doch die fuer den ganzen Schlamassel bezahlen zu lassen, die ihn verursacht haben: Die Palaestinenser, die Hamas gewaehlt haben. Realistisch? Wohl kaum. Doch Realismus hat einem in Israel noch nie weitergeholfen…

www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3785570,00.html

Netanjahu und ganz Israel steht mit dem Ruecken zur Wand. Wo ist eigentlich die UN, wenn man sie mal braucht?

Time of my life

Freitag, 02. Oktober 2009

Rosch HaSchana und Jom Kippur liegen hinter uns, nun heisst es “sman simchateinu”- Zeit unserer Freude, denn das Laubhuettenfest geht heute los! In Israel, London und New York stehen Laubhuetten vor den Restaurants, Scharen von Familien kommen in diesen Tagen zusammen, und an den Zwischenfeiertagen werden jede Menge Ausfluege unternommen.

Auch wenn es auf den ersten Blick wie ein Widerspruch scheint, dieses Video kann einen in die richtige Stimmung bringen- am 22.10. wird der Film ueber diese faszinierende Frau in New York praesentiert, die trotz ihrer schweren Krankheit und der schlussendlichen Gewissheit, sie nicht besiegen zu koennen, “besimcha”- froehlich- war:

www.youtube.com/watch?v=ntjur5WgUQ0