Konversion als Comedy
Mittwoch, 09. September 2009Kaum ein Thema wird ja so heiß diskutiert wie der Übertritt zum Judentum, egal wo: In Israel fragt man sich, ob und wie man die vielen russischen Einwanderer zum Glauben ihrer meist der Großväter bringen kann, in Amerika weiß man vor lauter verschiedenen jüdischen Richtungen schon gar nicht mehr, wer eigentlich Jude ist, und in Deutschland wird man meist nach Israel oder London geschickt, um dort zu konvertieren.
Ein schönes Beispiel für die komplexe Welt der Konversion ist der Amerikaner Yisrael Campbell, früher Christopher. Der gebürtige Amerikaner hat eine weite Reise hinter sich: Als Kind besuchte er eine katholische Schule, seine Tante war Nonne und seine Mutter eine zeitlang im Kloster - eine prägende Erfahrung. Und dennoch half sie ihm nicht weiter, als er mit 16 erkannte, dass er drogen- und alkoholabhänig war:
“The recovery process demanded I find a spiritual way of life and early on I learned that Catholicism was not for me (…) I thought that since I wasn’t a religious person I would like Judaism more than I had liked any other religion. So I took a course in basic Judaism. It was there I fell in love with (Reform) Judaism but to me it was just Judaism and I had no idea there were denominations.”
Nach seinem Übertritt zum Reformjudentum studierte Yisrael Theater in New York and begann mit Standup Comedy, ein nicht ganz einfaches Metier. Doch seine eigene Geschichte, verpackt in eine Mischung aus traditioneller Erzählung und “spiritual standup”, gefiel mehr und mehr Leuten, konnten sich doch viele mit dieser Suche nach Gott identifizieren. Der Humor tat ein Übriges, und so konnte er eine Reihe von One man Shows mit Titeln wie “Einstein was right” und “It’s not in Heaven” erfolgreich durchziehen.
Weil es so schön war und er sich erst nicht entscheiden konnte, trat Yisrael insgesamt dreimal über: Vom Katholizismus zum Reformjudentum, dann zum konservativen Judentum und schließlich orthodox. Dann erst nahm er den Namen Yisrael an und zog voller Konsequenz auch gleich nach Israel.
Dort lebt er heute (natürlich in Jerusalem- jeder anständige Baal Teshuvah oder Konvertit lebt in Jerusalem ;-) )mit Frau und drei Kindern. Er tritt noch immer weltweit auf, für jüdische Organisationen, auf Konferenzen und in Comedy Clubs- seine neue Show “You can never be too jewish” lief letztes Jahr in New York an.
Der “Matisyahu of Comedy” wurde aber erst richtig bekannt, als David Blumenfeld und Matthew Kalman eine Dokumentation mit dem schönen Titel “Circumcise me” drehten. Den Trailer gibt’s hier- vielleicht ein schöner Aufhänger für eine erneute Diskussion…?