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Archiv für Mai 2009

Die DDR - was haben die eigentlich so gemacht?

Dienstag, 26. Mai 2009

Vor einigen Jahren habe ich sechs Wochen in Potsdam verbracht und erfuhr dort einiges über den Umgang der DDR mit der Nazizeit- nämlich, dass eigentlich gar nicht mit ihr umgegangen wurde. Das “Dritte Reich” war offiziell ein Marionettenregime gewesen, dessen Ziel die Unterdrückung der Arbeiterklasse war. Tscha, DARAUF wärt ihr wohl auch nicht gekommen, nicht wahr Kinder? Aber es wird noch viel verrückter! Wie verrückt, dass hat die Bundeszentrale für politische Bildung ( der eine oder andere wird sich vielleicht noch erinnern, das sind die, die immer diese netten schwarzweißen Heftchen gedruckt haben, die man in der Schule bekam) in einem sehr aufschlussreichen Artikel zusammengefasst- aufgepasst, es geht los:

www.bpb.de/themen/I2CRVI,0,0,Antisemitismus_in_der_DDR.html

Einen interessanten Einblick in das Leben der DDR gibt der ehemalige DDR- Spionagechef Markus Wolf, dessen Vater Jude war, in einem Interview mit hagalil:

www.hagalil.com/schweiz/rundschau/inhalt/wolf.htm

Faule Äpfel

Sonntag, 24. Mai 2009

In den USA hat sie viel Aufsehen erregt, hier kennt sie vielleicht nicht jeder: Die Geschichte von Herman Rosenblat und dem Apfel, genauer gesagt den Äpfeln. Diese soll ihm nämlich ein neunjähriges Mädchen über den Zaun des Lagers Buchenwald geworfen haben, als er dort inhaftiert war. Zwölf Jahre später traf er genau dieses Mädchen bei einem Blind Date in den USA wieder und verliebte sich in sie, anfangs ohne zu wissen, wer genau sie war. Letztes Jahr feierte das Paar Goldene Hochzeit.

Der letzte Satz ist aber auch das Einzige, was an der Geschichte wahr ist. Rosenblat, dessen Memoiren mit dieser Geschichte gerade vor dem Druck standen, hat die Geschichte frei erfunden: “Ich wollte die Menschen glücklich machen”, so seine sehr merkwürdige Begründung; “It wasn’t a lie. It was my imagination, and in my mind, I believed it. Even now, I believe it.”
Kenneth Waltzer von der Michigan Stat University glaubte sie nicht: Er recherchierte gerade zu einem Buch über das KZ Buchenwald und fragte andere Häftlinge, ob sie Rosenblat kannten und seine Behauptung für glaubwürdig hielten. Sie wiesen darauf hin, dass ein solches Übergeben von Äpfeln aufgrund der Lage Buchenwalds gar nicht möglich gewesen wäre. Zudem lebte die Familie seiner Frau Rosa mit ihr über 200 Meilen von dem KZ entfernt.
Zuvor war Rosenblat bereits zweimal bei Oprah Winfrey aufgetreten, die diese Geschichte gleich als “die größte Lovestory, die wir jemals im Fernsen erzählt haben” wertete.
Rosenblat äußerte sich im Februar 2009 nun selbst in einem Video zu seinen Lügen- hier kann man sich das Video ansehen:

www.youtube.com/user/HermanRosenblat

Na, immerhin darf sich der Verlag trösten, dass auch andere schon auf gefälschte Biographien hereingefallen sind - so ist auch die Geschichte eines weißen Mädchens, das in einem schwarzen Ghetto in in LA aufwuchs, nur der Phantasie entsprungen. Dabei war sogar schon die Kinderversion der Biographie unter dem Titel “Angel Girl” geplant.
“Der Engel am Zaun” so der Titel des geplanten Buches, hat sich als Korb fauler Äpfel entpuppt. Verfilmt werden soll Rosenblats Lügenmär aber dennoch- weils so schön ist…

15. Jüdisches Filmfest in Berlin und Potsdam

Dienstag, 05. Mai 2009

Es ist wieder soweit: Bereits zum 15. Mal werden in der Haupstadt und ihrer kleinen Schwester Potsdam Filme mit jüdischen Themen gezeigt, und zwar Werke aus aller Welt. Obacht allerdings beim Eröffnungsfilm: Dessen Handlung ist frei erfunden und wurde aufgrund mangelnder Nähe zur Realität bereits kritisiert. zum Beispiel hier:

www.aish.com/societyWork/arts/The_Boy_in_the_Striped_Pajamas.asp

Bruno, der neunjährige Sohn eines Kommandanten in Auschwitz, trifft sich jeden Tag an einer unbeobachteten Stelle am Zaun mit einem gleichaltrigen Lagerinsassen, den er beneidet, weil der immer im Pyjamas herumlaufen darf. Er weiß weder, was ein Jude ist, noch was im Lager geschieht- der andere Junge erzählt es ihm nicht, und auch in seiner Umgebung deutet nichts darauf hin. Unrealistisch? Ziemlich….aber das kann der geneigte Zuschauer selbst entscheiden. Dann allerdings nicht am 3. Mai bei der Eröffnungsgala, die ist nämlich nicht öffentlich, sondern am 7. Mai im Kino. Na, was solls…
Philosophisch wird es dann bei “God on trial”, einem Film, der im Oktober 2008 erstmals von der BBC ausgestrahlt wurde und von einer Geschichte in Eli Wiesels Buch “The Trial of God” inspiriert wurde. Er dreht sich um die Frage, ob Gott seinen Bund mit dem jüdischen Volk im Holocaust (oder durch ihn?) gebrochen hat. Theologisch zumindest kann man die Frage verneinen, menschlich ist sie immer wieder aktuell.

Überhaupt scheint es im jüdischen Film momentan zwei Haupttehmen zu geben: Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust und desse Folgen und die Beziehungen zwischen Muslimen und Juden. Zu letzterem Thema passen die Filme “Arranged” und “The wedding song” in denen es um die Freundschaft eines jüdischen und eines muslimischen Mädchens geht. Der erste spielt in Brooklyn, der zweite im Tunesien der Vierziger Jahre. Vielleicht eine gute Gelegenheit, beide Film anzusehen und einen Vergleich zu ziehen- an alle Studenten, ihr habt ein Hausarbeitsthema! ;-)
Aber es gibt auch komische Filme wie “Bart got a room”, in dem ein schüchterner Jugendlicher verzweifelt nach einer Partnerin für seine Highschool- Promfeier sucht und nicht bemerkt, dass er in seiner ebenfalls jüdischen Mitschülerin die ideale Partnerin hätte. Das halb autobiographische Werk befasst sich jedoch nicht so eingehend mit der jüdischen Identität, wie das “Hello Goodbye” tut: Dort geht es um ein französisches Paar, das nach Israel auswandert. In der Komödie treten neben Gerard Depardieu und Fanny Ardant auch die israelischen Schauspieler Lior Ashkenazi und Sasson Gabbai, den viele vielleicht noch aus “Der Besuch der Band” kennen, auf.

Ich bin ja ein Fan von Dokumentationen, und das Filmfestival bietet Leuten wie mir eine besonders interessante Doku: “Killing Kasztner”. Der Mann des gleichen Namens rettete durch Verhandlungen mit Eichmann 1700 Juden das Leben, wurde aber von einem israelischen Gericht später der Kollaboration beschuldigt und fiel schließlich einem Attentat zum Opfer. Die Regisseurin Gaylen Ross hat den kontroversen Fall wieder aufgerollt.
“Menschliches Versagen”, ebenfalls eine Doku, beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die zivile Bevölkerung in Deutschland von der Enteignung der Juden in Europa profitiert hat, und macht sich in Köln und München auf Spurensuche.

Sehr viel Aufsehen erregte auch der im Comicstil gehaltene Film “Waltz with Bashir”, der den ersten Libanonkrieg zum Thema hat.

Dies ist nur eine kleine Auswahl aller Werke, die bei diesem Festival laufen werden- alle Interessierten finden weitere Informationen auf der offiziellen Homepage:

www.jffb.de/programm.php