Es ist wieder soweit: Bereits zum 15. Mal werden in der Haupstadt und ihrer kleinen Schwester Potsdam Filme mit jüdischen Themen gezeigt, und zwar Werke aus aller Welt. Obacht allerdings beim Eröffnungsfilm: Dessen Handlung ist frei erfunden und wurde aufgrund mangelnder Nähe zur Realität bereits kritisiert. zum Beispiel hier:
www.aish.com/societyWork/arts/The_Boy_in_the_Striped_Pajamas.asp
Bruno, der neunjährige Sohn eines Kommandanten in Auschwitz, trifft sich jeden Tag an einer unbeobachteten Stelle am Zaun mit einem gleichaltrigen Lagerinsassen, den er beneidet, weil der immer im Pyjamas herumlaufen darf. Er weiß weder, was ein Jude ist, noch was im Lager geschieht- der andere Junge erzählt es ihm nicht, und auch in seiner Umgebung deutet nichts darauf hin. Unrealistisch? Ziemlich….aber das kann der geneigte Zuschauer selbst entscheiden. Dann allerdings nicht am 3. Mai bei der Eröffnungsgala, die ist nämlich nicht öffentlich, sondern am 7. Mai im Kino. Na, was solls…
Philosophisch wird es dann bei “God on trial”, einem Film, der im Oktober 2008 erstmals von der BBC ausgestrahlt wurde und von einer Geschichte in Eli Wiesels Buch “The Trial of God” inspiriert wurde. Er dreht sich um die Frage, ob Gott seinen Bund mit dem jüdischen Volk im Holocaust (oder durch ihn?) gebrochen hat. Theologisch zumindest kann man die Frage verneinen, menschlich ist sie immer wieder aktuell.
Überhaupt scheint es im jüdischen Film momentan zwei Haupttehmen zu geben: Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust und desse Folgen und die Beziehungen zwischen Muslimen und Juden. Zu letzterem Thema passen die Filme “Arranged” und “The wedding song” in denen es um die Freundschaft eines jüdischen und eines muslimischen Mädchens geht. Der erste spielt in Brooklyn, der zweite im Tunesien der Vierziger Jahre. Vielleicht eine gute Gelegenheit, beide Film anzusehen und einen Vergleich zu ziehen- an alle Studenten, ihr habt ein Hausarbeitsthema! ;-)
Aber es gibt auch komische Filme wie “Bart got a room”, in dem ein schüchterner Jugendlicher verzweifelt nach einer Partnerin für seine Highschool- Promfeier sucht und nicht bemerkt, dass er in seiner ebenfalls jüdischen Mitschülerin die ideale Partnerin hätte. Das halb autobiographische Werk befasst sich jedoch nicht so eingehend mit der jüdischen Identität, wie das “Hello Goodbye” tut: Dort geht es um ein französisches Paar, das nach Israel auswandert. In der Komödie treten neben Gerard Depardieu und Fanny Ardant auch die israelischen Schauspieler Lior Ashkenazi und Sasson Gabbai, den viele vielleicht noch aus “Der Besuch der Band” kennen, auf.
Ich bin ja ein Fan von Dokumentationen, und das Filmfestival bietet Leuten wie mir eine besonders interessante Doku: “Killing Kasztner”. Der Mann des gleichen Namens rettete durch Verhandlungen mit Eichmann 1700 Juden das Leben, wurde aber von einem israelischen Gericht später der Kollaboration beschuldigt und fiel schließlich einem Attentat zum Opfer. Die Regisseurin Gaylen Ross hat den kontroversen Fall wieder aufgerollt.
“Menschliches Versagen”, ebenfalls eine Doku, beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die zivile Bevölkerung in Deutschland von der Enteignung der Juden in Europa profitiert hat, und macht sich in Köln und München auf Spurensuche.
Sehr viel Aufsehen erregte auch der im Comicstil gehaltene Film “Waltz with Bashir”, der den ersten Libanonkrieg zum Thema hat.
Dies ist nur eine kleine Auswahl aller Werke, die bei diesem Festival laufen werden- alle Interessierten finden weitere Informationen auf der offiziellen Homepage:
www.jffb.de/programm.php