Jom HaSchoa in Israel
Montag, 20. April 2009Die Sirene. Nichts verbinde ich mehr mit Jom HaSchoa als dieses laute, eindringliche Roehren der Sirene, die durchs ganze Land hallt. Fuer wenige Minuten steht alles still. Der Tag zum Gedenken an den Holocaust, der gemaess der juedischen Tradition bereits am Abend davor beginnt, wird auf vielerlei Arten begangen, die fast alle schon traditionell geworden sind: Am Abend gibt es verschiedene Veranstaltungen im Fernsehen, bei denen Reden gehalten werden, aber auch Ueberlebende mit ihren Erinnerungen zu Wort kommen- es sind nicht mehr viele, die das tun koennen, und ihre Erlebnisse werden umso wertvoller. Manchmal wird mir mulmig, wenn ich daran denke, dass wir diese Zeit nur noch aus Buechern und Filmen kennen werden und wie weit uns das von ihr entfernen wird.
Noch aber haben wir das Glueck, die Lebensgeschichten einiger Menschen von ihnen selbst zu hoeren, und so wurden auch dieses Mal wieder einige von ihnen eingeladen, um ueber ihr Ueberleben zu berichten.
Das Intensivste an diesem Tag aber sind die Dokumentationen. In Israel ist es Tradition, an diesem Tag Dokus ueber alle moeglichen Aspekte der Schoah auszustrahlen, die ebenso faszinierend wie beeindruckend sind: Gespraeche eines israelischen Journalisten mit Neonazis, die Reise eines Amerikaners zu den Rettern seines Schwiegervaters und die Reaktionen der Kinder, Berichte ueber Polen und Deutschland und mittendrin auch immer wieder Spielfilme, so wie heute “Die Faelscher”. Im Hintergrund steht immer wieder die Frage: Was haette ich damals getan? Haette ich meine Freunde im Lager verraten um zu ueberleben? Waere ich ein richtiger Nazi geworden, wenn man mich nur frueh genug in die Napola eingeschult haette? Koennte ich nach solchen Erlebnissen noch ein normales Leben fuehren? Ein anstrengender Tag also, aber einer, der einem inmitten des Alltagschaos auch die wirklich wichtigen Dinge vor Augen fuehrt. Dann hat auch die Sirene ihren Zweck erfuellt…