Duisburg und seine Fahnen
Sonntag, 18. Januar 2009Ich habe ja schon einiges gelesen, das bizarr anmutet, besonders in den letzten Tagen. Aber das Polizeibeamte eine Wohnungstür eintreten, um eine Flagge zu entfernen, die die vom Verfassungsschutz beobachteten Demsontranten stört, und diese Tat danach auch noch als richtig rechtfertigt- das kam in meinem Bild von deutschen Ordnungshütern bisher nicht vor. Was kommt als nächstes? Sollen wir das Wort “Koscher” über unseren Läden entfernen, weil es ein paar irre Islamisten stört? Vielleicht auch die Davidsterne von den Synagogen abnehmen? Unsere Kippot wieder tief in die Hosentasche stecken? Nein, das machen wir ja sowieso schon. Hmm.
Wenn ich hier mal den Polizeipräsidenten zitieren darf:
Die Duisburger Polizei verteidigte unterdessen ihr Vorgehen zunächst. Die “Westdeutsche Allgemeine Zeitung” zitierte in ihrer Ausgabe vom Montag einen Polizeisprecher mit der Aussage, die Entfernung der Flagge hätte “gefahrenabwehrende Gründe” gehabt. Die Nachrichtenagentur ddp gab den Sprecher noch am Dienstag mit den Worten wieder, “hier wurde der richtige Weg gewählt”.
Erst am Dienstnachmittag meldete sich der Polizeipräsident von Duisburg, Rolf Cebin, zu Wort - und bekannte Farbe. “Ich bedaure zutiefst, dass Gefühle insbesondere jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger verletzt wurden. Das Entfernen der Fahnen ist aus heutiger Sicht die falsche Entscheidung gewesen.”
www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,601058,00.html
Der Herr sollte sich mal überlegen, wen er hier eigentlich zu schützen hat- und das sind ganz bestimmt nicht nur “jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger”! Auch Nichtjuden werden gerne mal in die Mangel genommen, sollten sie sich zu nah am Geschehen platzieren. So wurden erst am Dienstag zwei Polizeiangestellte vor der Synagoge in Berlin mit einer Eisenstange verletzt.
www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,601120,00.html
Und Gordon Brown erhielt einen offenen Brief von britisch-muslimischen Anführern, die ihn warnten, wenn Großbritannien Israel nicht verurteilen und die Politik der USA kritisieren würde, könnten Muslime hier und dort “das Vertrauen in den politischen Prozess verlieren”, mit anderen Worten, extremistisch werden. Ich zitiere:
“Many millions of people will see these images in the media, what do you think the affect will be? The government is responsible for the country and its foreign policy. I don’t want something to happen here.”
Wie ein Radiosprecher daraufhin sagte: Das liest sich wie eine unterschwellige Drohung. Tust du nicht, was ich sage, dann…!” I don’t want something to happen here. Hat man derlei Briefe jemals von anderen Organisationen erhalten? Seit wann muss sich eine Regierung den Interessen irgendeiner Gruppierung beugen? Wenn ihnen etwas an der britischen Außenpolitik nicht gefällt, dann kann man demonstrieren, wählen oder eine eigene Partei gründen, aber man warnt die Regierung doch nicht vor den Irren in den eigenen Reihen! Was geht hier eigentlich vor?
Die Antwort auf die Frage überlasse ich dem geneigten Leser.