Allein im Dschungel
Donnerstag, 31. Juli 2008Zu den Interessen meiner Mutter gehoeren Abenteuerbuecher. Aber nicht Kalrl May &Co, nein, Buecher von Menschen, die sich allein in der Wueste durchschlagen oder in die entlegensten Winkel der Welt ziehen. So gesehen, hat Yossi Ghinsberg da genau das richtige fuer sie geschrieben:
1982 machte sich der damals 22jaehrige nach seinem Militaerdienst auf den Weg nach Bolivien. Zusammen mit drei Freunden machte er sich auf den ueblichen Weg israelischer Jugendlicher - Backpacking war und ist bis heute sehr beliebt. “Ich machte mir um Sicherheit keine Sorgen - Ich benoetigte nur die Gewissheit dass die Welt ausserhalb meiner wirklich exisierte. ES war ein romantischer und naiver Drang”, so Ghinsberg.
Doch bald entwickelten sich die Freunde auseinander: “Nach einiger Zeit verloren wir einfach die Wertschaetzung fuer den anderen. Der Schweizer Junge, der mit uns ging, war der netteste, warmherzigste Mensch, aber er war schwach- und wir schaetzten seine Schwache nicht. Karl war Oesterreicher und der Anfuehrer der Truppe. Kevin kam aus Oregon, USA und war Photograph. Die beiden kaempften wie Loewen um die Fuehrung in der Gruppe. Dann gab es Streitigkeiten darum, ob man ein Floss bauen oder durch den Dschungel wandern sollte.”
Es wurde entschieden, ein Floss zu bauen. Doch waehrend der Fahrt verlor Karl pletzlich die Kontrolle- er und sein Schweizer Freund verschwanden und gelten bis heute als vermisst. Dann wurde Yossie auch noch von Karl getrennt, was ihn fast verzweifeln liess.
“Die ersten Tage fiel ich auf meine Knie und weinte” so erinnert er sich. “Ich war mir sicher, dass ich sterben wuerde. Doch dann setzte mein Ueberlebensinstinkt ein.”
Und so durchstand Yossi alles: Ohne Nahrung oder wenigstens ein Messer zur Verteidigung schlug er sich allein mitten im Dschungel durch. Einmal fiel er von einer Klippe und verletzte sich schwer. Er wurde von allen moeglichen Insekten gebissen, die Larven unter seiner Haut legten, kaempfte gegen Regenstuerme und Fluten und hielt sich von Jaguaren fern, die in seiner Naehe umherstreiften. Trotz einer Blutinfektion schleppte er sich voran, bis er ein Krankenhaus fand, das ihn drei Monate lange behandelte. “Aber mir gelang es zu ueberleben- ich hatte den Glauben. Ich wuchs in einer juedischen, aber sekulaeren FAmilie auf. Mein VAter war ein Holocaustueberlebender, der den Glauben verloren hatte, und so war das der Weg, in dem ich erzogen wurde. Ich praktizierte oder glaubte nichts. Aber es war nur natuerlich, auf meine Knie zu sinken und G’tt anzuflehen mir zu helfen. Ich habe viele Wunder erlebt, und mein Wunder ist eine Geschichte.”
Wer an dieser Geschichte teilhaben moechte: Yossi hat ein Buch geschrieben. Vielleicht auch etwas fuer meine Mutter? (Keine Sorge, die schlechte Bewertung bezieht sich auf die Uebersetzung, das englische Original wird vom Kritiker hochgelobt!
“Amazonas. Vier Maenner in der Falle” , zu beziehen ueber
Und wer nur mal reinsehen moechte, hier ist Yossis Website:
www.ghinsberg.com/
