Das erste Terroropfer
Donnerstag, 29. Mai 2008Dieser Artikel erschien zwar schon am 5.5.08 in Haaretz, ist aber immer noch so interessant, dass er hier rein muss:
Von Nadav Shragai
Es ist fraglich, ob der Name des Rabbiners Avraham Shlomo Zalman Tzoref (RASHAZ), der 1851 in Jerusalem getötet wurde, den meisten Israelis vertraut ist. Tzoref war jedoch das erste vom Staat Israel anerkannte Terroropfer. Am Gedenktag für die gefallenen Soldaten Israels und die Opfer des Terrors, der dieses Jahr am 7. Mai begangen wird, wird deshalb zum Gedenken Tzorefs Name gemeinsam mit den Namen von mehr als 3 000 anderen Opfern feindlicher Übergriffe verlesen.
Tzoref, Großvater von Yoel Moshe Salomon, einem der Gründer von Petach Tikva, gelang es, vom ägyptischen Herrscher Muhammad Ali und später dann von den türkischen Behörden die Erlaubnis zum Wiederaufbau der Churbah-Synagoge in der Jerusalemer Altstadt zu erhalten. Diese war von arabischen Gläubigen im Jahr 1721 niedergebrannt worden.
Tzoref war es auch, der herausfand, dass das türkische Verjährungsgesetz alle Schulden von Rabbiner Yehuda Hachasid, der das Land, auf dem die Synagoge gebaut worden war, erworben hatte, aufhob. Es gelang Tzoref mit Hilfe des Gerichts, einen Teil des Landes, das ortsansässige Araber übernommen hatten, für die ashkenasische Gemeinde zurückzubekommen. Doch dadurch wurde der Ärger der Araber angeheizt. Tzoref erlebte den Wiederaufbau der Synagoge nicht. Im Jahr 1851, fünf Jahre vor Beginn der Wiederaufbauarbeiten, wurde er ermordet.
Das Buch „Drei Generationen“ von Mordechei Salomon, einem Nachkommen Tzorefs, erinnert an die Ereignisse vom Wiederaufbau der Churbah-Synagoge bis hin zum Mord an Tzoref. Unter anderem erinnert Salomon daran, dass Tzoref den Arabern „jährliche Geschenke“ machte, um von ihnen die Zustimmung zu erhalten, die Synagoge wieder aufzubauen, denn „Tzorefs Siege bezüglich des Baus und der Rettung von Rabbiner Yehuda Hachasids Churbah ließen Neid und Hass bei den Arabern von Jerusalem aufkommen“, schreibt Salomon.
Eines Nachts versuchten unbekannte Attentäter Tzoref durch einen Gewehrschuss zu töten. Doch sie verfehlten ihr Ziel. „Der Schütze, der in einen der Innenhöfe flüchtete, fiel in eine Zisterne und ertrank“, berichtet Salomon. Beim zweiten Mal schlugen die Attentäter Tzoref mit einem Schwert auf den Kopf. „Als sich Tzoref eines Nachts, kurz vor Morgengrauen, wie gewohnt zum Morgengebet begab, griffen ihn Mörder von hinten an und schlugen ihm mit einem Schwert auf den Kopf bis er umfiel und in seinem eigenen Blut liegen blieb. Juden, die wie er auf dem Weg zum Morgengebet waren, fanden ihn in einer Blutlache. Er lebte noch, und so brachten sie ihn zu seinem Haus.“ In Folge der Schwerthiebe verlor Tzoref sein Gedächtnis. Er lebte noch drei Monate, dann starb er.
14 Jahre später wurde die Churbah-Synagoge eingeweiht. Abraham Lunz, ein Autor der damaligen Zeit, schrieb: „Der Tag, an dem die Kuppel fertig gestellt wurde, war ein Fest für die ashkenasische Gemeinde.“ Er erzählte auch, dass abgesehen von den regulären Arbeitern alle Ashkenazim, die stark genug waren, um Tünche und Steine zu tragen, an den Bauarbeiten teilnahmen.
Etwa 80 Jahre lang war die Synagoge das Zentrum des religiösen Gemeindelebens der Jerusalemer Juden. Im Jahr 1948 sprengten die Jordanier das Gebäude und weitere Synagogen in der Jerusalemer Altstadt in die Luft.
Vor einigen Jahren wurde der Bogen, der an die alte Synagoge erinnert, entfernt, und der Wiederaufbau der Churbah-Synagoge begann. Inzwischen ist sie beinahe fertig gestellt. Die Feier anlässlich der Grundsteinlegung fand vor einigen Wochen statt.
(Haaretz, 05.05.08)