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Archiv für Juli 2007

Ein iranischer Blog

Mittwoch, 25. Juli 2007

Tischa be Aw ist vorbei, und leider hat sich Maschiach immer noch nicht gezeigt. Dafür bekam ich heute einen Tipp von einer guten Freundin, mir doch mal einen bestimmten Blog näher anzuschauen. Autor ist ein Iraner namens Ray, der nicht in die übliche Schwarz- Weißmalerei verfällt und auch keine Propaganda verbreitet- nein, er versucht ganz einfach, sich ein genaues Bild von den Zuständen zu machen und fragt sich zum Beispiel, ob Antizionismus und Antisemitismus zusammenhängen. Was noch erstaunlicher ist: Auch die Kommentare zu seinen Artikeln fallen gemäßigt aus und werden offensichtlich von Leuten geschrieben, die sich mit dem Thema wirklich befasst haben. Ist sehr interessant, da mal reinzuschauen.

http://www.mideastyouth.com/2007/07/23/anti-semitism-vs-anti-zionism/

Weiterhin Raketenagriffe auf Sderot

Montag, 23. Juli 2007

Anscheinend fühlen sich die Al Aqusa Brigaden von unserem kommenden Fastentag negativ inspiriert: Die Raketenangriffe auf Sderot nehmen ständig zu- allein gestern wurden vier Raketen aus dem Gazastreifen abgefeuert. Sechs Menschen mussten sich wegen Schocks behandeln lassen und mehrere Höuser wurden beschädigt. Die Angriffe laufen seit Jahren und wurden nicht wie erhofft durch den Libanonkonflikt gestoppt.

Das jüdische Filmarchiv online

Montag, 23. Juli 2007

Der an diesem Abend beginnende Fastentag Tischa Be Aw zeichnet sich durch seine Länge aus: Von einem Abend bis zum nächsten wird nichts gegessen und getrunken. Viele von uns arbeiten deshalb heute nicht, was den Tag oftmals noch länger werden läßt. Einfach Fernsehen scheint aber nicht zu dem Tag zu passen, an dem wir beide Tempel verloren haben und der in der Geschichte immer ein schlechter Tag für Juden war. Daher ist ein Ausflug auf die Seite des Jewish Archives vielleicht nicht schlecht:

Nach fünfjähriger Arbeit stehen nun etwa 400 Filme zur Auswahl, die sich mit Israel vor und nach der Gründung, der Schoah und den Jüdischen Gemeinden in aller Welt befassen. Dabei kommen kleine Perlen wie die Werbefilme des KKL und Raritäten wie der Film „Work and Ceremony in Israel“ (1926), die Dokumentation „Flight to Freedom“ (1949) über die jemenitische Einwanderung nach Israel und der Film „The Price of Peace“ (1967), der seltene Aufnahmen aus dem Sechs-Tage-Krieg enthält, zum Vorschein.

www.spielbergfilmarchive.org.il/kv/index.html

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Standesamtliche Trauungen auch in Israel- für Nichtjuden

Donnerstag, 19. Juli 2007

Soeben habe ich erfahren, dass Justizminister Friedman und Oberrabbiner Shlomo Amar zu einer Einigung bezüglich der standesamtlichen Trauung gekommen sind: Die etwa 300.000 Menschen, die nach jüdischem Recht keine Juden sind (sie haben entweder keine jüdische Mutter oder sind nich halachisch konvertiert) können nach dieser Vorlage zivilrechtlich heiraten.

Vorsicht vor dem falschen Maschiach…

Donnerstag, 19. Juli 2007

so warnt Rabbi Riskin, Rabbiner von Efrat, in einem neuen Artikel in der Jerusalem Post: Hier Klicken!

Dort fragt er sich, ob Mahmoud Abbas wirklich so ein moderater Politiker ist, als der er sich in der westlichen Welt gibt- schließlich hat er auf arabisch den Staat Israel bis heute nicht anerkannt. Ganz zu schweigen von seiner Doktorarbeit…Riskin sieht in dem Friedensprozess, den die israelische Regierung so verzweifelt anstrebt, einen “falschen Maschiach” und stützt seine These unter anderem auf das Osloer Abkommen. Und er warnt davor, Wunschdenken als Realität anzusehen.

Man kann nur hoffen, dass Maschiach schon am 9. Aw kommt, der Tag, an dem beide Tempel zerstört wurden und der gerade darum als einer der vielen Tage gilt, an denen die Hoffnung auf das Kommen des Maschiach besonders hoch ist. Manche bringen darum ihre Wohnung auf Hochglanz, um auf seine Ankunft vorbereitet zu sein. Man fastet wie an Jom Kippur von einem Abend zum nächsten und versucht, den Verlust des Tempels und seine Bedeutung nachzuempfinden. In Amsterdam trifft man sich darum jedes Jahr zu einer Videostunde, die von der Chofetz Chaim Foundation entwickelt wird. Vielleicht auch eine Anregung für andere Gemeinden?

Wo war G’tt in der Shoa?

Donnerstag, 12. Juli 2007

Nach einem schwierigen Gespräch hatte ich dringend Inspiration nötig und fand sie in diesem sehr guten Shiur: Hier Klicken!

Das Thema passt sehr gut in die Wochen vor Tisha Be Aw, und Rabbi Shafier beantwortet die obengestellte Frage eindrucksvoll.

Vortragsreise von Ruthie Eitan (Sapir-College)

Sonntag, 08. Juli 2007

Das Sapir-College nahe der israelischen Kleinstadt Sderot unweit des Gaza-Streifens wurde in den siebziger Jahren als Infrastrukturmaßnahme für den strukturschwachen Süden Israels und als Dialog- und Friedensprojekt im Hinblick auf die Palästinenser gegründet. Die in den 50er Jahren errichtete und heute 25.000 Einwohner zählende Enwicklungsstadt Sderot und mit ihr auch das Sapir-College sind seit Ausbruch der zweiten Intifada Ziel von Raketenangriffen.

Seit dem Jahr 2000 sind mehrere Tausend Raketen dort niedergegangen. Seit dem Abzug der israelischen Armee aus dem Gaza-Streifen und der Auflösung der dortigen Siedlungen im Sommer 2005 sind die Attacken nur noch stärker geworden. Im Frühjahr dieses Jahres haben sie in einem solchen Maße zugenommen, dass viele Bewohner Sderots ihre Stadt verlassen haben. Kinder und Jugendliche wurden zeitweise evakuiert. Durch die Machtübernahme der Hamas im gesamten Gazastreifen, den Abzug der letzten vermittelnden Kräfte aus Ägypten und die Niederlage der Fatah hat sich die ohnehin schon schwierige Lage zusätzlich verschärft. Der Raketenbeschuss erfolgt beinahe täglich und lähmt das Leben in der Stadt und am College.

Über diese Krisenlage, aber auch über zukünftige Friedensprojekte, die am Sapir-College geplant sind, hält Dr. Ruthie Eitan eine Vortragsreihe. Dr. Eitan ist Historikerin, lehrt am Sapir College und ist zuständig für die internationalen Kontakte der Hochschule.

Hannover: Montag, 9. Juli, 19.30 Uhr, Ada- und Theodor-Lessing-Volkshochschule, Theodor-Lessing-Platz
Bremen: Dienstag, 10. Juli, 20.00 Uhr, Villa Ichon, Goetheplatz 4
Trier: Donnerstag, 12. Juli, 20.00 Uhr, Universität Trier, A-B-Gebäude
Wiesbaden: 15. Juli, 15.00 Uhr, Jüdische Gemeinde, Friedrichstrasse 31-33
Saarbrücken: 16. Juli, 20.00 Uhr, VHS-Zentrum
Augsburg: 18. Juli, 19.30 Uhr, Im Annahof 4

Frauenstrand nun auch in Italien

Sonntag, 08. Juli 2007

Bademeister

Es scheint, das orthodoxe Judentum war hier Trendsetter: Nachdem es in Israel schon seit langem getrennte Strände bzw. Strandzeiten für Männer und Frauen gibt, haben findige italienische Geschäftsleute diese Idee als Marktlücke entdeckt und in Riccione den Strandabschnitt 134 für Männer gesperrt. Im Strandparadies an der Adria sind alle Angestellten bis auf den Friseur und den Rettungsschwimmer Frauen, es gibt ein Fitnessstudio, Kochkurse und Wassergymnastik. Die Besucherinnen genießen laut eigener Aussage, dass endlich niemand guckt, ob man Cellulite hat und jeglicher Wettbewerb flachfällt. Statt dessen kann man sich mit den anderen Frauen austauschen und ganz entspannt in der Sonne aalen. Vielleicht ist das ja eine Idee für den nächsten Urlaub?

Musik in den drei Wochen

Donnerstag, 05. Juli 2007

Musik hören

…und wieder etwas gelernt: Ich ging ja immer davon aus, dass man in den drei Wochen nur a cappella Musik hören darf, aaaaber das muss nicht sein! Sagt Rav Melamed. Er teilt Musik in drei Kategorien ein: Fröhlich (alles, was man bei einer Hochzeit spielt), regulär, traurig. Erstere sollte man in den drei Wochen, in denen wir uns nun befinden, nicht hören. “Normale” und traurige Lieder sollte man in den neun Tagen vor Tisch be Aw zwar auch nicht hören, in den zwei Wochen davor ist das jedoch möglich. Das gilt natürlich NICHT für Liveauftritte, die zu veranstalten oder besuchen in dieser Zeit nicht getan wird- es passt einfach nicht zu der Stimmung, in die wir uns versetzen sollen.

Diese Ansicht leuchtet mir viel eher ein- von a cappella Musik bin ich nach wenigen Tagen genervt statt gerührt. Die richtigen Lieder erinnern mich dagegen durchaus an den Verlust unseres Tempels, so zum Beispiel “Nachamu Ami” (Tröste mein Volk) von Avraham Rosenblum (reinhören ist hier möglich: www.rockinrabbi.com

Der 17. Tamuz- ein Überblick

Dienstag, 03. Juli 2007

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Heute ist kein schöner Tag. Nicht nur, weil es Bindfäden regnet. Der heutige Tag, laut dem jüdischen Kalender der 17. Tamuz, ist ein Fastentag- ein von vier im Judentum, die zur Erinnerung an die Zerstörung des Tempels abgehalten werden. An ihm wurde eine Bresche in die Mauer geschlagen, die Jerusalem umgab. Damit begann die physische Zerstörung des Tempels, zu dem der könig von Babylonien, Nebukadnezar, und seine Truppen nun Zugang hatten. Drei Wochen später, am 9. Aw, wurde das größte jüdische Heiligtum endgültig zerstört und bis heute nicht wieder aufgebaut- das kann erst geschehen, der der Maschiach kommt.

An diesem Tag geschahen aber noch andere schreckliche Dinge:

- Angesichts der Sünde des goldenen Kalbs zerbrach Mosche rabbeinu die ersten Gesetzestafeln, die er vom Berg Sinai herunterbrachte.

- Da es während der Belagerung des Tempels keine Möglichkeit mehr gab, die beiden Lämmer aufzutreiben, die für das ständige Opfer im Tempel notwendig waren, musste schließlich an diesem Tag die Opferung und damit auch der G’ttesdienst im Tempel eingestellt werden.

- An diesem Tag verbrannte Apostemos, ein der Vertreter des griechischen Königs Antiochus, die Torah. Er hatte erkannt, dass die Stärke des Volkes Israel in seinem geistigen Erbe liegt, und wollte dieses zerstören. So wurde das Verbrennen der Torahrollen zum Symbol für die Absicht, das Volk zu vernichten. Diese Tat war ein wichtiger Grund für den Aufstand der Hasmonäer.

- An diesem Tag wurde ein Götzenbild im Tempel aufgestellt. Wer dies veranlasste, ist nicht eindeutig- einer Meinung nach zufolge war es der erwähnte Apostemos, einer anderen, die auf den Jerusalemer Talmud zurückgeht (es gibt sowohl den Babylonischen als auch den Jerusalemer Talmud, wir richten uns in der Regel nach dem Babylonischen) war es ausgerechnet der König von Juda, Manasse, der als blutrünstig berüchtigt war und dem Götzendienst anhing.

Eigentlich sollte Manasse nicht geboren werden- sein Vater, Hiskijas, der einer der besten Könige Judas war, wusste, dass seine Kinder das Volk in große Probleme stürzen würden. Daher wollte er keine Familie gründen. Der Prophet Jesaia aber überzeugte ihn-mit den uns bekannten Folgen. Manasse selbst bereute seine Untaten schließlich und G’tt vergab ihm.

Doch zurück zum Thema: Heute wird also weder gegessen noch getrunken. Im Morgengebet werden bestimmte Slichot (Bußgebete) gesagt und das Gebet “Awinu Malkeinu” (Unser Vater, unser König) gesprochen. Dann wird der Abschnitt aus der Torah, der auf die Sünde des Goldenen Kalbs folgt und in dem Mosche versucht, HaShem zu besänftigen, gelesen. Im Gegensatz zu anderen Fastentagen gibt es darüber hinaus keine besonderen Vorschriften. da heute die drei Wochen beginnen (dazu später), geht man ab heute nicht aus, um sich zu amüsieren, und kauft auch keine neue Kleidung oder zieht um- alles aus dem Grund, um den Verlust des Tempels besser nachempfinden zu können. Ich werde versuchen, in den kommenden drei Wochen soviele Informationen wie möglich in den Blog zu stellen.